Dülmener Zeitung


Dülmen (ka)

ABENDLÄNDISCHE KULTURGÜTER LOCKER AUF DIE SCHIPPE GENOMMEN

Das Nieuw Symbolistisch Theater aus den Niederlanden begeisterte mit einer Art Parforce-Ritt durch die Kunstgeschichte

Das Chaos war Programm und das Programm wurde von einer Moderatorin angekündigt, die selbst mit dem gewollten Chaos wieder Bestandteil des Programmes war.
Das Entree jedenfalls, das sich die Gruppe Nieuw Symbolistisch Theater am Dienstag abend auf dem Marktplatz zwischen den griechischen Säulen und der gemalten Hirtenlandschaft im Hintergrund verschaffte, versprach vergnügliche Unterhaltung.
Und die beiden Macher hielten ihr Versprechen. Ob beim klassischen Pas de deux, beim Bauchtanz oder Can Can. stets sorgten sie dafür, daß es letztendlich nicht so ernst wurde, wie es angefangen hat.

Nicht geringen Anteil an dieser vergnüglichen Stunde hatten auch die überproportionalen Masken, die konsequent von der ersten bis zur letzten Szene eingesetzt, zum Gelingen der einstündigen Aufführung beitrugen. Mit ihrem Ausdruck, von naiv-ernst bis hochmütig-giftig unterstrichen sie noch das parodistische Element der Vorführungen. Passend dazu die farbenprächtigen und auf die Masken wie Bewegungen abgestimmten Kostüme, die, dem ,,großen Theater und Ballett” abgeguckt, wiederum die Travestie komplettierten und die liebevoll versteckte Kritik an den hehren Theaterinszenierungen unterstrichen.

Stil- und musiksicher suchte das Ehepaar Iva und Petar Mandich, das hinter dem Nieuw Symbolistisch Theater steckt, auch die Musik aus. Donizetti. Charpentier, Chatchaturian, Verdi, Puccini, Tschaikowsky Bizet und andere Meister der klassischen Töne wurden dabei ebenso vergnüglich zitiert wie Leo Fall und die heutigen Rock- und Popgrößen. Auch wenn Musikkenner bei dieser Zusammenstellung vielleicht die Nase rümpfen: wenn sie nicht ganz humorlos waren hat ihnen diese Zitatensammlung gefallen, zumal sie in neue Zusammenhänge gebracht manchmal frappierende Wirkungen leicht, locker und sehr bekömmlich.

Ohne Respekt vor historischen oder literarischen Figuren ließen die beiden gebürtigen Jugoslaven den buckligen Glöckner von Notre Dame, hübsch barockig gewandet, mit der Zeitgenossin Napoleons, Madame Juliette Recamier, der die Männerwelt nachsagte, daß sie ebenso wild auf Komplimente und Schmeicheleien wie standhaft war, tanzen und kokettieren.

Sie schickten die begeisterten Zuschauer mit der melodiösen „Liebeskarawane in das Land der Seimsüchte” und verwandelten schließlich die in der klassischen griechischen Sage aus Schaum geborene Aphrodite in eine Undine, die mit ihrem Fischschwanz graziös den Zu¬chauern winkt.
Aus ihrer Vorliebe für Ballett machten sie bei allen Travestiekünsten um ,,Schwanensee” kein Hehl. ,,I love Ballett” konnten die Zuschauer lesen nach dem das Tanzpaar nach einer Prügelei mit doppeltem Gipsbein weitertanzte. Schließlich verwandelte sich die Tänzerin. Erst wurde nach Abnahme des Gipsbeins ein Entenbein sichtbar, dann verwandelte sich nach und nach die ganze Dame in ein häßliches Entlein, mit dem der Danseur noble unermüdlich den Pas de deux weitertanzte.

Der „Temoei der Kultur”, wie ironisch das Bühnenbild genannt werden könnte, brach schließlich unter lautem Getöse und Hinterlassen von Rauch und Qualm zusammen und legte hinter der klassischen Dekoration das marode Bild einer zerbröckelten Mauer frei.

Wie vieles an diesem Abend war auch der Schluß wieder symbolisch. Wie die ganze perfekte Show, die das bürgerliche Bildungsgut so trefflich aufs Korn nahm bestand auch er aus Zitaten die Spaß machten aber auch zum Nachdenken anregten.

Foto: Rund 350 Zuschauer waren begeistert vom Auftritt des „Nieuw Symbolistisch Theater” auf dem Marktplatz.
DZ-Fotos (6): Stief

Dülmener Zeitung


Dülmen (ka)

ABENDLÄNDISCHE KULTURGÜTER LOCKER AUF DIE SCHIPPE GENOMMEN

Das Nieuw Symbolistisch Theater aus den Niederlanden begeisterte mit einer Art Parforce-Ritt durch die Kunstgeschichte

Das Chaos war Programm und das Programm wurde von einer Moderatorin angekündigt, die selbst mit dem gewollten Chaos wieder Bestandteil des Programmes war.
Das Entree jedenfalls, das sich die Gruppe Nieuw Symbolistisch Theater am Dienstag abend auf dem Marktplatz zwischen den griechischen Säulen und der gemalten Hirtenlandschaft im Hintergrund verschaffte, versprach vergnügliche Unterhaltung.
Und die beiden Macher hielten ihr Versprechen. Ob beim klassischen Pas de deux, beim Bauchtanz oder Can Can. stets sorgten sie dafür, daß es letztendlich nicht so ernst wurde, wie es angefangen hat.

Nicht geringen Anteil an dieser vergnüglichen Stunde hatten auch die überproportionalen Masken, die konsequent von der ersten bis zur letzten Szene eingesetzt, zum Gelingen der einstündigen Aufführung beitrugen. Mit ihrem Ausdruck, von naiv-ernst bis hochmütig-giftig unterstrichen sie noch das parodistische Element der Vorführungen. Passend dazu die farbenprächtigen und auf die Masken wie Bewegungen abgestimmten Kostüme, die, dem ,,großen Theater und Ballett” abgeguckt, wiederum die Travestie komplettierten und die liebevoll versteckte Kritik an den hehren Theaterinszenierungen unterstrichen.

Stil- und musiksicher suchte das Ehepaar Iva und Petar Mandich, das hinter dem Nieuw Symbolistisch Theater steckt, auch die Musik aus. Donizetti. Charpentier, Chatchaturian, Verdi, Puccini, Tschaikowsky Bizet und andere Meister der klassischen Töne wurden dabei ebenso vergnüglich zitiert wie Leo Fall und die heutigen Rock- und Popgrößen. Auch wenn Musikkenner bei dieser Zusammenstellung vielleicht die Nase rümpfen: wenn sie nicht ganz humorlos waren hat ihnen diese Zitatensammlung gefallen, zumal sie in neue Zusammenhänge gebracht manchmal frappierende Wirkungen leicht, locker und sehr bekömmlich.

Ohne Respekt vor historischen oder literarischen Figuren ließen die beiden gebürtigen Jugoslaven den buckligen Glöckner von Notre Dame, hübsch barockig gewandet, mit der Zeitgenossin Napoleons, Madame Juliette Recamier, der die Männerwelt nachsagte, daß sie ebenso wild auf Komplimente und Schmeicheleien wie standhaft war, tanzen und kokettieren.

Sie schickten die begeisterten Zuschauer mit der melodiösen „Liebeskarawane in das Land der Seimsüchte” und verwandelten schließlich die in der klassischen griechischen Sage aus Schaum geborene Aphrodite in eine Undine, die mit ihrem Fischschwanz graziös den Zu¬chauern winkt.
Aus ihrer Vorliebe für Ballett machten sie bei allen Travestiekünsten um ,,Schwanensee” kein Hehl. ,,I love Ballett” konnten die Zuschauer lesen nach dem das Tanzpaar nach einer Prügelei mit doppeltem Gipsbein weitertanzte. Schließlich verwandelte sich die Tänzerin. Erst wurde nach Abnahme des Gipsbeins ein Entenbein sichtbar, dann verwandelte sich nach und nach die ganze Dame in ein häßliches Entlein, mit dem der Danseur noble unermüdlich den Pas de deux weitertanzte.

Der „Temoei der Kultur”, wie ironisch das Bühnenbild genannt werden könnte, brach schließlich unter lautem Getöse und Hinterlassen von Rauch und Qualm zusammen und legte hinter der klassischen Dekoration das marode Bild einer zerbröckelten Mauer frei.

Wie vieles an diesem Abend war auch der Schluß wieder symbolisch. Wie die ganze perfekte Show, die das bürgerliche Bildungsgut so trefflich aufs Korn nahm bestand auch er aus Zitaten die Spaß machten aber auch zum Nachdenken anregten.

Foto: Rund 350 Zuschauer waren begeistert vom Auftritt des „Nieuw Symbolistisch Theater” auf dem Marktplatz.
DZ-Fotos (6): Stief