KULTUR | KÖLNER STADT ANZEIGER


Foto: Reich an bizarren Wesen ist die Seifenoper

DER LÜSTERNE ENGEL TRIFFT DIE HAREMSDAME

Eine antike Soap Opera von Mandich im Senftöpfchen

Kunst oder Kitsch, Traum oder Tand — was „Eine antike Soap Opera” ist, läßt sich kaum eindeutig beantworten. Für Iva & Petar Mandich, die Erfinder dieses Zwitterwesens, stellen sich dergleichen Fragen allerdings erst gar nicht. Ihnen scheint die Vision von einem mit kulturgeschichtlichen Zitaten gespickten Kosmos, den sie bei ihrem Gastspiel im Senftöpfchen-Theater ausbreiten, für jedermann durchschaubar, der sich auf die von ihnen geschaffene Bilderflut einläßt.

So vieldeutig die kunst- und liebevoll gestalteten Masken und Kostüme, die sie mit atemberaubender Geschwindigkeit wechseln, so eigenwillig ist auch der aus Schlagern, Opern und Operette zusammengesetzte musikalische Hintergrund, auf dem die beiden ausgebildeten Tänzer über-raschende choreographische Konstellationen hervorzaubern.
Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung: Apollo trifft auf Spartakus, Ivan auf Natascha, ein lüsterner Engel auf eine Haremsdame — aus üppigen Röcken ragen stachelige Männerbeine, ein muskelstrotzender Macker mit zierlichen Händen tanzt Lambada, unter rollenden Masken erscheinen Vogelköpfe, bizarre Wesen, wie aus einem Max-Ernst-Bild entsprungen.

Seit 12 Jahren arbeiten die beiden aus Sarajevo kommenden, inzwischen in Amsterdam lebenden Künstler als „Nieuw Symbolistisch Theater Amsterdam” zusammen, entwickeln mit bildnerischer Phantasie ihre effektvoll in Szene gesetzten Musik- und Tanztheater-Collagen, deren Wurzeln im surrealen Zusammentreffen heterogener Elemente stecken: Begegnungen der unterbewußten Art, nach deren Sinn man gar nicht erst fragen sollte.

Daß diese künstlich-kunstvolle Welt am Ende zusammenbricht, daß eine Bombe das zierlich-ver-spielte Bühnenbild zerstört, unter der eine häßliche Backsteinmauer zum Vorschein kommt, mag man als Symbol für die Vordergründigkeit des schönen Scheins deuten — ebenso wie die bunt schillernden Seifenblasen, die kurz darauf vom Bühnenhimmel schweben und zerplatzen.

Einige ratlose Gesichter hellen sich auf: Nun weiß man, was eine „Soap-Opera” ist. Herzlicher Beifall!

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Foto: Reich an bizarren Wesen ist die Seifenoper

DER LÜSTERNE ENGEL TRIFFT DIE HAREMSDAME

Eine antike Soap Opera von Mandich im Senftöpfchen

Kunst oder Kitsch, Traum oder Tand — was „Eine antike Soap Opera” ist, läßt sich kaum eindeutig beantworten. Für Iva & Petar Mandich, die Erfinder dieses Zwitterwesens, stellen sich dergleichen Fragen allerdings erst gar nicht. Ihnen scheint die Vision von einem mit kulturgeschichtlichen Zitaten gespickten Kosmos, den sie bei ihrem Gastspiel im Senftöpfchen-Theater ausbreiten, für jedermann durchschaubar, der sich auf die von ihnen geschaffene Bilderflut einläßt.

So vieldeutig die kunst- und liebevoll gestalteten Masken und Kostüme, die sie mit atemberaubender Geschwindigkeit wechseln, so eigenwillig ist auch der aus Schlagern, Opern und Operette zusammengesetzte musikalische Hintergrund, auf dem die beiden ausgebildeten Tänzer über-raschende choreographische Konstellationen hervorzaubern.
Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung: Apollo trifft auf Spartakus, Ivan auf Natascha, ein lüsterner Engel auf eine Haremsdame — aus üppigen Röcken ragen stachelige Männerbeine, ein muskelstrotzender Macker mit zierlichen Händen tanzt Lambada, unter rollenden Masken erscheinen Vogelköpfe, bizarre Wesen, wie aus einem Max-Ernst-Bild entsprungen.

Seit 12 Jahren arbeiten die beiden aus Sarajevo kommenden, inzwischen in Amsterdam lebenden Künstler als „Nieuw Symbolistisch Theater Amsterdam” zusammen, entwickeln mit bildnerischer Phantasie ihre effektvoll in Szene gesetzten Musik- und Tanztheater-Collagen, deren Wurzeln im surrealen Zusammentreffen heterogener Elemente stecken: Begegnungen der unterbewußten Art, nach deren Sinn man gar nicht erst fragen sollte.

Daß diese künstlich-kunstvolle Welt am Ende zusammenbricht, daß eine Bombe das zierlich-ver-spielte Bühnenbild zerstört, unter der eine häßliche Backsteinmauer zum Vorschein kommt, mag man als Symbol für die Vordergründigkeit des schönen Scheins deuten — ebenso wie die bunt schillernden Seifenblasen, die kurz darauf vom Bühnenhimmel schweben und zerplatzen.

Einige ratlose Gesichter hellen sich auf: Nun weiß man, was eine „Soap-Opera” ist. Herzlicher Beifall!