NIEUW SYMBOLISTISCH THEATER


„DER TRIUMPH DER TREUE” ODER WIE PRODUZIERE ICH HUMOR?

Anders als bei seinen Produktionen früherer Amsterdamer Jahre, mit denen das „Neue Symbolistische Theater” eine an Becketts „Glückliche Tage” erinnernde Absurdität variierte, ist „Der Triumph der Treue” kein schwarzes, sondern ein umwerfend heiteres, erzkomödiantisches Stück, das die Rituale des Lebens und Liebens hemmungslos persifliert und entlarvt.

Auf dem haarfeinen Grat zwischen Karikatur und Klamauk, deftigem Humor und Momenten anrührender Poesie wird das Zusammenspiel von Musik (von Verdi bis Adriano Celentano ist so ziemlich alles zu hören), Tanz und Maske (riesige Schwellköpfe aus Pappmache) zu unwiderstehlicher Komik ausbalanciert (wir haben — selten genug! – Tränen gelacht!). Gleichwohl: Ein weiter Weg vom Entschluß, „mal was Komisches” zu machen, bis zum nun in Recklinghausen zur Uraufführung gelangenden „Triumph der Treue”.
„Monatelang”, erinnert sich Iva, „haben wir uns darüber Gedanken gemacht: Wie produziert man Humor?”
Machten sich die zwei also zunächst an die Maske und Requisite, „die sollten möglichst lustig sein”. Das nach eigener Einschätzung mißlungene Ende vom Lied: „Es entstanden immer mehr und mehr Masken, die ganze Produktion war schließlich völlig überfrachtet.”

Die Konsequenz: eine rigorose „Demaskierung”. Was um so schmerz-voller gewesen sein muß, als Iva und Petar mit einer wahren Leidenschaft an ihren Masken und Requisiten bauen. Eine in diesem Zusammenhang immer wieder und mit (mittlerweile) großem Gelächter kolportierte Anekdote: die Sache mit der Muschel (siehe Foto). In liebevoller und extrem zeitaufwendiger Heimarbeit, buchstäblich, wurde die gebaut. Just fertiggestellt und mittels Goldbronze vervollkommnet, stellte sich das Schmuckstück als zu groß heraus: Es paßte – Tragi¬komödie eines Maskentheaterlebens! – schlicht und ergreifend nicht mehr durch die Schlafzimmertüre und zerbrach…

Gleichwohl: Nach besagter rigoroser „Demaskierung” glauben sich Petar und Iva nun auf dem richtigen Weg: „Unsere Chance liegt in der Groteske. Die Maske vermittelt dem Zuschauer den ersten Eindruck, stimmt ihn ein, zerstört seine Logik. Dann wird aus der tatsächlichen Maske heraus und durch den Tanz der gesamte Körper zur Maske.”
In dieser Theaterform, die dem menschlichen Gesicht jede Möglichkeit des Ausdrucks nimmt, den Körper einer gewissen Bewegungsfreiheit beraubt und die Stimme durch eingespielte Musikcollagen ersetzt wird, muß jede Geste, jeder Schritt hundertprozentig „sitzen”.
Iva: „Ein falsches Kopfwenden, ein unpräziser Tanzschritt kann alles zerstören.” Darum auch weist sie jeden Vergleich mit Improvisationstheater weit von sich: „Ohne tägliches, vollkommen zentriertes Balletttraining ist das nicht möglich. Wir unterwerfen uns derselben strengen Choreographie, wie sie der großen Peking-Oper eigen ist. Das ist eine theatralische Sprache, in der keine Silbe dem Zufall überlassen bleiben darf.”

Trotz Rückgriffs auf ein uraltes Mittel des Theaters, die Maske eben, ist das „Neue Symbolistische Theater” ein Avantgarde-Theater. Was Iva so gern eigentlich nicht hört: „Avantgarde, das ist heut, wenn’s keiner mehr versteht. Das wollen wir eben nicht. Was auch hätten wir davon? Wir wollen ein Feedback, Resonanz, Gefühle erzeugen.”
Und Iva, die behauptet, die Botschaft des Stückes nicht zu kennen („Vielleicht erkennt ihr eine und könnt sie uns verraten?!”), hat ziemlich genaue Vorstellungen, wie dieses Feedback, diese Resonanz und die Gefühle denn wohl auszusehen haben: „Gelächter… denn im gemeinsamen Lachen werden unglaubliche Energien freigesetzt. Lachen hat eine therapeutische, eine heilsame, eine befreiende Wirkung…”
Lassen wir uns befreien!

NIEUW SYMBOLISTISCH THEATER


„DER TRIUMPH DER TREUE” ODER WIE PRODUZIERE ICH HUMOR?

Anders als bei seinen Produktionen früherer Amsterdamer Jahre, mit denen das „Neue Symbolistische Theater” eine an Becketts „Glückliche Tage” erinnernde Absurdität variierte, ist „Der Triumph der Treue” kein schwarzes, sondern ein umwerfend heiteres, erzkomödiantisches Stück, das die Rituale des Lebens und Liebens hemmungslos persifliert und entlarvt.

Auf dem haarfeinen Grat zwischen Karikatur und Klamauk, deftigem Humor und Momenten anrührender Poesie wird das Zusammenspiel von Musik (von Verdi bis Adriano Celentano ist so ziemlich alles zu hören), Tanz und Maske (riesige Schwellköpfe aus Pappmache) zu unwiderstehlicher Komik ausbalanciert (wir haben — selten genug! – Tränen gelacht!). Gleichwohl: Ein weiter Weg vom Entschluß, „mal was Komisches” zu machen, bis zum nun in Recklinghausen zur Uraufführung gelangenden „Triumph der Treue”.
„Monatelang”, erinnert sich Iva, „haben wir uns darüber Gedanken gemacht: Wie produziert man Humor?”
Machten sich die zwei also zunächst an die Maske und Requisite, „die sollten möglichst lustig sein”. Das nach eigener Einschätzung mißlungene Ende vom Lied: „Es entstanden immer mehr und mehr Masken, die ganze Produktion war schließlich völlig überfrachtet.”

Die Konsequenz: eine rigorose „Demaskierung”. Was um so schmerz-voller gewesen sein muß, als Iva und Petar mit einer wahren Leidenschaft an ihren Masken und Requisiten bauen. Eine in diesem Zusammenhang immer wieder und mit (mittlerweile) großem Gelächter kolportierte Anekdote: die Sache mit der Muschel (siehe Foto). In liebevoller und extrem zeitaufwendiger Heimarbeit, buchstäblich, wurde die gebaut. Just fertiggestellt und mittels Goldbronze vervollkommnet, stellte sich das Schmuckstück als zu groß heraus: Es paßte – Tragi¬komödie eines Maskentheaterlebens! – schlicht und ergreifend nicht mehr durch die Schlafzimmertüre und zerbrach…

Gleichwohl: Nach besagter rigoroser „Demaskierung” glauben sich Petar und Iva nun auf dem richtigen Weg: „Unsere Chance liegt in der Groteske. Die Maske vermittelt dem Zuschauer den ersten Eindruck, stimmt ihn ein, zerstört seine Logik. Dann wird aus der tatsächlichen Maske heraus und durch den Tanz der gesamte Körper zur Maske.”
In dieser Theaterform, die dem menschlichen Gesicht jede Möglichkeit des Ausdrucks nimmt, den Körper einer gewissen Bewegungsfreiheit beraubt und die Stimme durch eingespielte Musikcollagen ersetzt wird, muß jede Geste, jeder Schritt hundertprozentig „sitzen”.
Iva: „Ein falsches Kopfwenden, ein unpräziser Tanzschritt kann alles zerstören.” Darum auch weist sie jeden Vergleich mit Improvisationstheater weit von sich: „Ohne tägliches, vollkommen zentriertes Balletttraining ist das nicht möglich. Wir unterwerfen uns derselben strengen Choreographie, wie sie der großen Peking-Oper eigen ist. Das ist eine theatralische Sprache, in der keine Silbe dem Zufall überlassen bleiben darf.”

Trotz Rückgriffs auf ein uraltes Mittel des Theaters, die Maske eben, ist das „Neue Symbolistische Theater” ein Avantgarde-Theater. Was Iva so gern eigentlich nicht hört: „Avantgarde, das ist heut, wenn’s keiner mehr versteht. Das wollen wir eben nicht. Was auch hätten wir davon? Wir wollen ein Feedback, Resonanz, Gefühle erzeugen.”
Und Iva, die behauptet, die Botschaft des Stückes nicht zu kennen („Vielleicht erkennt ihr eine und könnt sie uns verraten?!”), hat ziemlich genaue Vorstellungen, wie dieses Feedback, diese Resonanz und die Gefühle denn wohl auszusehen haben: „Gelächter… denn im gemeinsamen Lachen werden unglaubliche Energien freigesetzt. Lachen hat eine therapeutische, eine heilsame, eine befreiende Wirkung…”
Lassen wir uns befreien!