NIEUW SYMBOLISTISCH THEATER IN RECKLINGHAUSEN


April, 1989

EINE NEUE THEATERSPRACHE – OHNE WORTE

EINHEIT VON MASKE, MUSIK, TANZ / PRODUKTION DES „NEUEN SYMBOLISTISCHEN THEATERS” IN RECKLINGHAUSEN

Ein Ballett-Studio in der „Red Light Area” von Amsterdam. Kein hypermodernes Atelier. Nicht vollverspiegelt, mit gewienertem Parkett und sterilweißen Decken. Nein. Ganz anders. Weniger praktisch und komfortabel vielleicht. Aber dafür viel schöner, atmosphärischer. Mit stuckverzierten Wänden, leicht abgenutzten Holzdielen, altmodischen Säulenreihen. Leicht angestaubt der elegante Charme vergangener Tage, und dennoch ein Zauber, dem wir uns nur schwerlich zu entziehen vermögen. Aber müssen! Denn schließlich sind wir nicht hier, um architektonische Studien zu betreiben. Nach Amsterdam, ins Ballett-Studio an einer kleinen Straße zwischen „Leidse”- und „Frederiks Plein” hat´ s uns verschlagen, weil hier eines der vielleicht ungewöhnlichsten Tanztheater Westeuropas probt, das „Nieuw Symbolistisch Theater”, das „Neue Symbolistische Theater Amsterdam”. Am 7. April, wenn „ganz-tief-unten”, das diesjährige Kunst-Happening des Vestischen Künstlerbundes, über sämtliche Ebenen der neuen Tiefgarage „Im Rom” spektakelt, wird auch das Tanz-Ensemble aus den Niederlanden mit dabei sein – und, das behaupten wir jetzt einfach einmal so, den Höhepunkt des Programms markieren!

„Der Triumph der Treue”, so der einem barocken Melodram entliehene Titel der Produktion, deren Qualität um so erstaunlicher ist, als die beiden Akteure, das aus Jugoslawien stammende und 1984 nach Amsterdam ausgereiste Ehepaar Iva und Petar Mandich, zugleich ihre eigenen Stückeschreiber, Choreographen, „Komponisten”, Kostüm- und Maskenbildner sind. Die Originalität ihrer Form des Tanztheaters macht die Wiederentdeckung der Maske als kraftvolles, „magisches” Theater-Symbol aus. Was uns bestenfalls als Andenken an Commedia-dell’arte-Zeiten präsent ist und zum reinen Karnevals-Requisit oder dekorativem Kunstwerk degradiert ist, erhält in den Arbeiten des ausgebildeten Ballelttänzers und Choreographen Petar und seiner Ehefrau Iva, einer Theaterwissenschaftlerin und Tänzerin, eine ganz neue Qualität…

NIEUW SYMBOLISTISCH THEATER IN RECKLINGHAUSEN


April, 1989

EINE NEUE THEATERSPRACHE – OHNE WORTE

EINHEIT VON MASKE, MUSIK, TANZ / PRODUKTION DES „NEUEN SYMBOLISTISCHEN THEATERS” IN RECKLINGHAUSEN

Ein Ballett-Studio in der „Red Light Area” von Amsterdam. Kein hypermodernes Atelier. Nicht vollverspiegelt, mit gewienertem Parkett und sterilweißen Decken. Nein. Ganz anders. Weniger praktisch und komfortabel vielleicht. Aber dafür viel schöner, atmosphärischer. Mit stuckverzierten Wänden, leicht abgenutzten Holzdielen, altmodischen Säulenreihen. Leicht angestaubt der elegante Charme vergangener Tage, und dennoch ein Zauber, dem wir uns nur schwerlich zu entziehen vermögen. Aber müssen! Denn schließlich sind wir nicht hier, um architektonische Studien zu betreiben. Nach Amsterdam, ins Ballett-Studio an einer kleinen Straße zwischen „Leidse”- und „Frederiks Plein” hat´ s uns verschlagen, weil hier eines der vielleicht ungewöhnlichsten Tanztheater Westeuropas probt, das „Nieuw Symbolistisch Theater”, das „Neue Symbolistische Theater Amsterdam”. Am 7. April, wenn „ganz-tief-unten”, das diesjährige Kunst-Happening des Vestischen Künstlerbundes, über sämtliche Ebenen der neuen Tiefgarage „Im Rom” spektakelt, wird auch das Tanz-Ensemble aus den Niederlanden mit dabei sein – und, das behaupten wir jetzt einfach einmal so, den Höhepunkt des Programms markieren!

„Der Triumph der Treue”, so der einem barocken Melodram entliehene Titel der Produktion, deren Qualität um so erstaunlicher ist, als die beiden Akteure, das aus Jugoslawien stammende und 1984 nach Amsterdam ausgereiste Ehepaar Iva und Petar Mandich, zugleich ihre eigenen Stückeschreiber, Choreographen, „Komponisten”, Kostüm- und Maskenbildner sind. Die Originalität ihrer Form des Tanztheaters macht die Wiederentdeckung der Maske als kraftvolles, „magisches” Theater-Symbol aus. Was uns bestenfalls als Andenken an Commedia-dell’arte-Zeiten präsent ist und zum reinen Karnevals-Requisit oder dekorativem Kunstwerk degradiert ist, erhält in den Arbeiten des ausgebildeten Ballelttänzers und Choreographen Petar und seiner Ehefrau Iva, einer Theaterwissenschaftlerin und Tänzerin, eine ganz neue Qualität…