THEATER


Tekst: Dorothee STÖBENER

GROTESK UND VOLLENDET KITSCHIG

Perfekter Kitsch wurde vom Maskentheeter auf dem SchloBplatz kredenzt.

Visueller Surrealismus, effekthaschende, humoristische Show. Kommunikation ohne Worte – das ist die neue Theatersprache von Iva und Petar Mandich. Was das jugoslawische, heute in Holland lebende Choreographen-Ehepaar mit ihrem „Het Nieuw Symbolisch Theater Amsterdam ” am Sonntag auf dem Schloflplatz auf die Bühne brachte war ein „neodekadentes Plagiat der Schonen Künste”.

Ihre Maskenkomödie „La Triomphe de la Fidelite” -der Triumph der Treue -, war eine von der Groteske lebende Persiflage auf unser kulturelles Erbe, auf die Theatergeschichte der Antike bis zur Gegenwart mit ihrer allegorisch-mythisch verklärten „wahren Liebe” und aller damit in Zusammenhaag stehenden westeuropäischen Klischees.

Durch die Produktion einer antiken Soap Opera, wurde eben diese kitschige, hyperemotionale Welt von den zwei Akteuren ins Lächerliche gezogen, bis zur Fratze verzerrt. Lächerliche Fratzen stellten auch die Schwelllköpfe aus Pappmache dar, unter denen die beiden grazilen Akteure – beide haben Tanz und Dramaturgie studiert – gestikulierten.

Vollendet kitschig die Tragödie der schönen Salome. Der Part ist eine Entweihung des Mythos von der verführerisch schönen Frau und all dessen was sie so schön macht. In kitschigem Rosa gewandet, mit Federn geschmückt, versucht Salome mit bebender Brust den Pfaffen zu verführen. Zur Unterstützung ihrer Verführungskünste erklingt über die Lautsprecher amerikanischer Bauchtanz. Da der Pfaffe lieber bei seinem Gebetsbuch bleibt, wird er von Salome geköpft.

Abgerechnet wurde im „Tempel der Kultur” mit dem leblosen, künstlichen, weil nur auf Ästhetik abzielenden, klassischen, weißen Ballett Beim Schwanensee mutiert die Geliebte beim Küssen zu einem Vogel.
Entmystifiziert wurde auch die Schicksaltragödie. Madame Recamier, heißt ein Szene, in der die von ihrem Geliebten abgewiesene Recamier den Freitod wählen möchte. Im Takt der Musik rammt sich die Akteurin mehrmals vergeblich das Messer ins Herz. Am Ende aber tötet sie der Armorpfeil ihres Geliebten.

Das Schlußbild der Szene – es zeigt einen auf ein Sofa drapierten Sarg – ist eine Nachbildung eines Gemäldes des surrealistischen Malers Rene Magritte. In Abwandlung eines klassizistischen Gemäldes, das die französische Schriftstellerin Recamier – steif aber schön – auf einem Sofa zeigt, hatte Magritte kurzerhand einen die Leblosigkeit der Recamier und der ganzen Scheinaesthetik symbloisierenden Sarg gezeichnet. Genauso hätten die beiden Schauspieler des „Nieuw Symbolistisch Theater ” ihre Schicksalstragödie „Mona Lisa” nennen können.

Nun die Recamier ist tot – mit ihr Racine und Corneille und das ganze klassische Drama – und der Conferencier, der durch die Erotic-Show des Amsterdamer Maskentheaters führt, wäscht das Blut auf der Bühne auf. Der rote Farbstoff färbt seine Hände. Der überdrehte Conferencier glaubt an die „wahre Liebe”, an das „große” Theater, will es retten.

Mit der „Geburt der Venus”, der Explosion des idyllischen kitschtriefenden Bühnenbildes, endet eine gelungene, perfekte Show und das kulturelle Erbe mit seinen Klischees. Aus der Muschel steigt Botticellis Venus, eine Mischung aus Fisch und Frau und zeigt den Zuschauern auf dem SchloBplatz einen Ballon mit der Aufschrift „The End”.

DOROTHEE STÖBENER

THEATER


Tekst: Dorothee STÖBENER

GROTESK UND VOLLENDET KITSCHIG

Perfekter Kitsch wurde vom Maskentheeter auf dem SchloBplatz kredenzt.

Visueller Surrealismus, effekthaschende, humoristische Show. Kommunikation ohne Worte – das ist die neue Theatersprache von Iva und Petar Mandich. Was das jugoslawische, heute in Holland lebende Choreographen-Ehepaar mit ihrem „Het Nieuw Symbolisch Theater Amsterdam ” am Sonntag auf dem Schloflplatz auf die Bühne brachte war ein „neodekadentes Plagiat der Schonen Künste”.

Ihre Maskenkomödie „La Triomphe de la Fidelite” -der Triumph der Treue -, war eine von der Groteske lebende Persiflage auf unser kulturelles Erbe, auf die Theatergeschichte der Antike bis zur Gegenwart mit ihrer allegorisch-mythisch verklärten „wahren Liebe” und aller damit in Zusammenhaag stehenden westeuropäischen Klischees.

Durch die Produktion einer antiken Soap Opera, wurde eben diese kitschige, hyperemotionale Welt von den zwei Akteuren ins Lächerliche gezogen, bis zur Fratze verzerrt. Lächerliche Fratzen stellten auch die Schwelllköpfe aus Pappmache dar, unter denen die beiden grazilen Akteure – beide haben Tanz und Dramaturgie studiert – gestikulierten.

Vollendet kitschig die Tragödie der schönen Salome. Der Part ist eine Entweihung des Mythos von der verführerisch schönen Frau und all dessen was sie so schön macht. In kitschigem Rosa gewandet, mit Federn geschmückt, versucht Salome mit bebender Brust den Pfaffen zu verführen. Zur Unterstützung ihrer Verführungskünste erklingt über die Lautsprecher amerikanischer Bauchtanz. Da der Pfaffe lieber bei seinem Gebetsbuch bleibt, wird er von Salome geköpft.

Abgerechnet wurde im „Tempel der Kultur” mit dem leblosen, künstlichen, weil nur auf Ästhetik abzielenden, klassischen, weißen Ballett Beim Schwanensee mutiert die Geliebte beim Küssen zu einem Vogel.
Entmystifiziert wurde auch die Schicksaltragödie. Madame Recamier, heißt ein Szene, in der die von ihrem Geliebten abgewiesene Recamier den Freitod wählen möchte. Im Takt der Musik rammt sich die Akteurin mehrmals vergeblich das Messer ins Herz. Am Ende aber tötet sie der Armorpfeil ihres Geliebten.

Das Schlußbild der Szene – es zeigt einen auf ein Sofa drapierten Sarg – ist eine Nachbildung eines Gemäldes des surrealistischen Malers Rene Magritte. In Abwandlung eines klassizistischen Gemäldes, das die französische Schriftstellerin Recamier – steif aber schön – auf einem Sofa zeigt, hatte Magritte kurzerhand einen die Leblosigkeit der Recamier und der ganzen Scheinaesthetik symbloisierenden Sarg gezeichnet. Genauso hätten die beiden Schauspieler des „Nieuw Symbolistisch Theater ” ihre Schicksalstragödie „Mona Lisa” nennen können.

Nun die Recamier ist tot – mit ihr Racine und Corneille und das ganze klassische Drama – und der Conferencier, der durch die Erotic-Show des Amsterdamer Maskentheaters führt, wäscht das Blut auf der Bühne auf. Der rote Farbstoff färbt seine Hände. Der überdrehte Conferencier glaubt an die „wahre Liebe”, an das „große” Theater, will es retten.

Mit der „Geburt der Venus”, der Explosion des idyllischen kitschtriefenden Bühnenbildes, endet eine gelungene, perfekte Show und das kulturelle Erbe mit seinen Klischees. Aus der Muschel steigt Botticellis Venus, eine Mischung aus Fisch und Frau und zeigt den Zuschauern auf dem SchloBplatz einen Ballon mit der Aufschrift „The End”.

DOROTHEE STÖBENER