Westfälische Nachrichten


Tekst: Barbara KASNER

MARKTPLATZ WIRD ZUR BÜHNE

In Dülmen begann am Dienstag wieder die „Sommertheater-Zeit”

Schon von weitem wird der Blick von zwei erleuchteten dorischen Säulen, zwischen die ein Bühnenprospekt den Eindruck einer arkadischen Landschaft vermittelt, angezogen. Auf zwei mobilen Tribünen sitzen erwartungsvoll Besucher. Wer keinen Sitzplatz gefunden hat, sucht sich ein Eckchen, von wo aus er das Geschehen auf dem knapp über Wohnzimmergröße und etwas über einen halben Meter hohen Podest verfolgen kann. Es ist Dienstagabend und für die Bevölkerung Sommertheater-Zeit.

Das Stück heißt „Der Triumph der Treue”, und die Protagonisten sind Petar und Iva Mandich mit ihrem „Nieuw Symbolistisch Theater”. Mit ihrer eigenwilligen und gekonnten Form des visuellen Theaters setzt das Ehepaar eine Veranstaltungsreihe fort, die vor einigen Jahren erst probeweise in Dülmen angeboten wurde und seit dem vergangenen Sommer einen festen Platz in der Ferienzeit hat. Insgesamt achtmal wird der Marktplatz zur Bühne, achtmal kommen einige hundert Besucher zusammen, um die verschiedensten Formen des Straßentheaters zu sehen.

Der Erfolg gab den Verantwortlichen Recht. Der feste Platz am Dienstagabend hat sich bewährt, ebenso der Ort.
„Nach einer Probe-phase ohne feste Termine haben wir das Ganze durchstrukturiert”, berichtet Achim Portmann, in Dülmen unter anderem zuständig für diese Open air-Veranstaltungen. „In Zu-sammenarbeit mit den Kultursekretariaten des Landes in Gütersloh und Wuppertal werden die Gruppen ausgesucht.” Aber nicht nur dort findet Portmann die Straßentheater-Ensembles. Das jugoslawische Ehepaar lernte er beispielsweise bei der deutsch-niederländischen Kulturbörse in Kleve kennen.

Die Art und Weise, wie Iva und Petar Mandich einen Querschnitt durch die Kultur und Subkultur des Abendlandes liefern, ist gekonnt. Es ist unterhaltsam und witzig, parodistisch und satirisch. Opern-, Operetten- und Popmusik räubern die beiden ohne Angst vor großen Namen, bringen sie als Zitate, verfremden sie und setzen sie neu zusammen, so daß auch Besucher ohne Background-Wissen ihre helle Freude an den Darbietungen haben. Dazu tragen auch die überdimensionalen Masken bei, die, zusammen mit den farbenprächtigen und witzigen Kostümen, die am Dienstag vorgeführten „Höhepunkte der erotischen Liebe” zu einem Erlebnis machten.

Perfekte Körperbeherrschung (die klassische Ballettausbildung läßt sich nicht übersehen) und perfektes Timing, dazu die in einem Amsterdamer Tonstudio professionell gemischte Musik mit den Texteinlagen, bilden die Basis des verdienten Erfolges.

Wie erfolgreich Dülmen mit dieser Reihe ist, läßt sich am steigenden Bürgerinteresse ablesen. Unter den Gruppen hat sich die Stadt Dülmen in der Zwischenzeit einen hervorragenden Ruf erworben. „Hier kann man spielen, ohne durch Frittenbuden, Blasmusik oder sonstiges in der Konzentration gestört zu werden”, lautet eine Begründung, und als Lob für die Veranstalter wird noch die gute Betreuung angefügt.
Für die Besucher sind die Aufführungen kostenlos. Für die Stadt schlägt das Projekt jedoch einschließlich Werbungs- und Nebenkosten mit 270 000 Mark zu Buche. Auftritte wie der des Nieuw Symbolistisch Theater, das hintersinnig auch noch ernsthafte Inhalte vermittelt, lohnen den Aufwand auf jeden Fall.

BARBARA KASNER

Foto: Masken, Kostüme und Kulisse tun ein übriges für den eindrucksvollen Erfolg beim Publikum: Schlußbild des Dülmener Theaterabends

Westfälische Nachrichten


Tekst: Barbara KASNER

MARKTPLATZ WIRD ZUR BÜHNE

In Dülmen begann am Dienstag wieder die „Sommertheater-Zeit”

Schon von weitem wird der Blick von zwei erleuchteten dorischen Säulen, zwischen die ein Bühnenprospekt den Eindruck einer arkadischen Landschaft vermittelt, angezogen. Auf zwei mobilen Tribünen sitzen erwartungsvoll Besucher. Wer keinen Sitzplatz gefunden hat, sucht sich ein Eckchen, von wo aus er das Geschehen auf dem knapp über Wohnzimmergröße und etwas über einen halben Meter hohen Podest verfolgen kann. Es ist Dienstagabend und für die Bevölkerung Sommertheater-Zeit.

Das Stück heißt „Der Triumph der Treue”, und die Protagonisten sind Petar und Iva Mandich mit ihrem „Nieuw Symbolistisch Theater”. Mit ihrer eigenwilligen und gekonnten Form des visuellen Theaters setzt das Ehepaar eine Veranstaltungsreihe fort, die vor einigen Jahren erst probeweise in Dülmen angeboten wurde und seit dem vergangenen Sommer einen festen Platz in der Ferienzeit hat. Insgesamt achtmal wird der Marktplatz zur Bühne, achtmal kommen einige hundert Besucher zusammen, um die verschiedensten Formen des Straßentheaters zu sehen.

Der Erfolg gab den Verantwortlichen Recht. Der feste Platz am Dienstagabend hat sich bewährt, ebenso der Ort.
„Nach einer Probe-phase ohne feste Termine haben wir das Ganze durchstrukturiert”, berichtet Achim Portmann, in Dülmen unter anderem zuständig für diese Open air-Veranstaltungen. „In Zu-sammenarbeit mit den Kultursekretariaten des Landes in Gütersloh und Wuppertal werden die Gruppen ausgesucht.” Aber nicht nur dort findet Portmann die Straßentheater-Ensembles. Das jugoslawische Ehepaar lernte er beispielsweise bei der deutsch-niederländischen Kulturbörse in Kleve kennen.

Die Art und Weise, wie Iva und Petar Mandich einen Querschnitt durch die Kultur und Subkultur des Abendlandes liefern, ist gekonnt. Es ist unterhaltsam und witzig, parodistisch und satirisch. Opern-, Operetten- und Popmusik räubern die beiden ohne Angst vor großen Namen, bringen sie als Zitate, verfremden sie und setzen sie neu zusammen, so daß auch Besucher ohne Background-Wissen ihre helle Freude an den Darbietungen haben. Dazu tragen auch die überdimensionalen Masken bei, die, zusammen mit den farbenprächtigen und witzigen Kostümen, die am Dienstag vorgeführten „Höhepunkte der erotischen Liebe” zu einem Erlebnis machten.

Perfekte Körperbeherrschung (die klassische Ballettausbildung läßt sich nicht übersehen) und perfektes Timing, dazu die in einem Amsterdamer Tonstudio professionell gemischte Musik mit den Texteinlagen, bilden die Basis des verdienten Erfolges.

Wie erfolgreich Dülmen mit dieser Reihe ist, läßt sich am steigenden Bürgerinteresse ablesen. Unter den Gruppen hat sich die Stadt Dülmen in der Zwischenzeit einen hervorragenden Ruf erworben. „Hier kann man spielen, ohne durch Frittenbuden, Blasmusik oder sonstiges in der Konzentration gestört zu werden”, lautet eine Begründung, und als Lob für die Veranstalter wird noch die gute Betreuung angefügt.
Für die Besucher sind die Aufführungen kostenlos. Für die Stadt schlägt das Projekt jedoch einschließlich Werbungs- und Nebenkosten mit 270 000 Mark zu Buche. Auftritte wie der des Nieuw Symbolistisch Theater, das hintersinnig auch noch ernsthafte Inhalte vermittelt, lohnen den Aufwand auf jeden Fall.

BARBARA KASNER

Foto: Masken, Kostüme und Kulisse tun ein übriges für den eindrucksvollen Erfolg beim Publikum: Schlußbild des Dülmener Theaterabends