AMSTERDAMER THEATER BEGEISTERTE PUBLIKUM


Papers WZ | 13 – 09 – 1986

MORD AUS LIEBE UND EIN PFAFFE OHNE KOPF

• Ein wahres Festival der Parodie und des grotesken Humors erlebten 200 Zuschauer auf dem Theaterplatz. Im Rahmen der Straßentheatertage gab sich das holländische „Het Nieuw Symbolistisch Theater Amsterdam” die Ehre und präsentierte einen Ausschnitt aus seinem Hauptprogramm.

Hinter „Le Triomphe de la Fidelile” — der Triumpf der Treue — so der Titel der Komödie, verbirgt sich ein Künstlerehepaar: Eva und Peter Mandich. Angefangen bei den farbenprächtigen Kostümen, den ausdrucksvoll starren Masken und dem liebevoll kitschig gestalteten Bühnenbild bis hin zur Dramaturgie, zur Musik und zur tänzerischen Darstellung der 20(!) verschiedenen Charaktere — alles das tragen die jugoslawischen Wahlholländer allein. Eva und Peter — beide haben klassischen Tanz und Dramaturgie studiert — ließen sich von barocken Melodramen inspirieren, wo nach Altmeister Goethe allzuoft vergeblich versucht wird, den ganzen Kreis der Schöpfung mit bedächt’ger Schnelle zu durchwandeln.
Eva und Peter faszinierten vor allem in ‘dem atemlosen Bestreben, in den engen Bretterhäusern tanzend, singend und theatralisierend die „wahre Liebe” darzustellen.
Voller Pathos halten sie dem gängigen Opern- und Operettengeschehen überspitzt dramatisierend den satirischen Spiegel vor. Sie lassen keinen Schöpf ungeschoren, ziehen alles und jeden ins Lächerliche.
Auf der kleinen Bühne wird aus Liebe gemordet und Liebeskummer durch Selbstmord beendet. Tragisch, tragisch! Mit viel „Ausdruck” wurde die Liebe und das Elend getanzt. Vogelgezwitscher unterstreicht den Liebesgesang, der geköpfte Pfaffe singt ersterbend „La Traviata”, und die schrille Alleingelassene rockt mit ihrem buckligen Diener ab. Originell auch der von superschnell bis schleppend langsam vorgetragene „Kosakentanz”.
Am Ende spendeten die Zuschauer langanhaltenden Beifall für diesen spritzigen Ideereichtum.

hat

AMSTERDAMER THEATER BEGEISTERTE PUBLIKUM


Papers WZ | 13 – 09 – 1986

MORD AUS LIEBE UND EIN PFAFFE OHNE KOPF

• Ein wahres Festival der Parodie und des grotesken Humors erlebten 200 Zuschauer auf dem Theaterplatz. Im Rahmen der Straßentheatertage gab sich das holländische „Het Nieuw Symbolistisch Theater Amsterdam” die Ehre und präsentierte einen Ausschnitt aus seinem Hauptprogramm.

Hinter „Le Triomphe de la Fidelile” — der Triumpf der Treue — so der Titel der Komödie, verbirgt sich ein Künstlerehepaar: Eva und Peter Mandich. Angefangen bei den farbenprächtigen Kostümen, den ausdrucksvoll starren Masken und dem liebevoll kitschig gestalteten Bühnenbild bis hin zur Dramaturgie, zur Musik und zur tänzerischen Darstellung der 20(!) verschiedenen Charaktere — alles das tragen die jugoslawischen Wahlholländer allein. Eva und Peter — beide haben klassischen Tanz und Dramaturgie studiert — ließen sich von barocken Melodramen inspirieren, wo nach Altmeister Goethe allzuoft vergeblich versucht wird, den ganzen Kreis der Schöpfung mit bedächt’ger Schnelle zu durchwandeln.
Eva und Peter faszinierten vor allem in ‘dem atemlosen Bestreben, in den engen Bretterhäusern tanzend, singend und theatralisierend die „wahre Liebe” darzustellen.
Voller Pathos halten sie dem gängigen Opern- und Operettengeschehen überspitzt dramatisierend den satirischen Spiegel vor. Sie lassen keinen Schöpf ungeschoren, ziehen alles und jeden ins Lächerliche.
Auf der kleinen Bühne wird aus Liebe gemordet und Liebeskummer durch Selbstmord beendet. Tragisch, tragisch! Mit viel „Ausdruck” wurde die Liebe und das Elend getanzt. Vogelgezwitscher unterstreicht den Liebesgesang, der geköpfte Pfaffe singt ersterbend „La Traviata”, und die schrille Alleingelassene rockt mit ihrem buckligen Diener ab. Originell auch der von superschnell bis schleppend langsam vorgetragene „Kosakentanz”.
Am Ende spendeten die Zuschauer langanhaltenden Beifall für diesen spritzigen Ideereichtum.

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