HILDENER SOMMER


Tekst: Peter KORN

„NIEUW SYMBOLISTISCH THEATER” AUS AMSTERDAM BEIM „HILDENER SOMMER”

 

HILDEN. Ihr Publikum spannten sie ganz schön auf die Folter: Eine geschlagene halbe Stunde mußten die Zuschauer beim „Hildener Sommer” auf den Auftritt des „Nieuw Symboli¬stisch Theater” Amsterdam warten. Als es dann endlich mit Fanfarenklängen (vom Tonband) losgehen sollte, dröhnte zunächst nur ohrenbetäubender Lärm aus den Lautsprecherboxen.

Kein besonders vielversprechender Auftakt für ein Ensemble, das laut Programminformation zu den profiliertesten Straßentheatergruppen Europas zählt. Immerhin: Spiellust und Originalität der Akteure machten den „gebremsten Start” im Laufe der Veranstaltung wieder wett – auch wenn die Art der Darstellung vielleicht nicht jedermanns Sache gewesen sein mag.

Das Schauspielrezept des „Nieuw Symbolistisch Theater” ist ebenso einfach wie spektakulär: Auf der farbenprächtigen, ganz auf „Antike” getrimmten Bühne tummeln sich bizarr kostümierte Gestalten. Die Gesichter sind hinter großen, lustig-abstoßenden Masken verborgen, das Ganze gleicht einer Mischung aus Jahrmarkt, Tanztheater, Pantomime und dörflichem Possenspiel. Was an den kurzen, im Stil einer Revue dargebotenen, Szenen besticht, ist das tänzerische und akrobatische Talent der Akteure, das besonders in Verbindung mit den ausgefallenen Kostümen zur Geltung kommt. Wäre nicht die ziemlich lieb-und wahllos zusammengewürfelte Musik gewesen, die das Trommelfell des Publikums mitunter arg strapazierte — der Auftritt der Amsterdamer Schauspieltruppe in Hilden hätte eine vergnügliche Angelegenheit werden können.

Zu lachen gab es bei dem furiosen „Rummelplatzritt” durch Themen der Antike, der Klassik oder der orientalischen Sagenwelt jedenfalls genug. „Apoll und Spartacus” als Liebespaar im innigen Pas de Deux, die Verführung eines Priesters durch die schöne Scheherazade — die Darsteller zeigten kein Erbarmen, machten aus jedem Liebesmotiv ein Spektakel, das zwischen herrlichem Ulk und gezielter Geschmacklosigkeit hin- und her-schwankte. Wie schmal der Grat zwischen den beiden Extremen war, verdeutlicht die Geschichte um Scheherazade: Wenn die „anmutige Schönheit ihren Schleier lüftet und plötzlich mit Damenbart und schiefen Zähnen dasteht, ist Gelächter vorprogrammiert. Dies bleibt einem in der Enthauptungsszene (der Priester tanzt kopflos über die Bühne) allerdings wieder im Halse stecken — so realstisch nimmt sich die Kostümierung aus.

Über Geschmack läßt sich streiten, und so hielten sich Fans und Kritiker des „Nieuw Symbolistisch Theaters” Amsterdam denn auch die Waage. Interessant und originell inszeniert war der Beitrag zum „Hildener Sommer” allemal.

PETER KORN

HILDENER SOMMER


Tekst: Peter KORN

„NIEUW SYMBOLISTISCH THEATER” AUS AMSTERDAM BEIM „HILDENER SOMMER”

 

HILDEN. Ihr Publikum spannten sie ganz schön auf die Folter: Eine geschlagene halbe Stunde mußten die Zuschauer beim „Hildener Sommer” auf den Auftritt des „Nieuw Symboli¬stisch Theater” Amsterdam warten. Als es dann endlich mit Fanfarenklängen (vom Tonband) losgehen sollte, dröhnte zunächst nur ohrenbetäubender Lärm aus den Lautsprecherboxen.

Kein besonders vielversprechender Auftakt für ein Ensemble, das laut Programminformation zu den profiliertesten Straßentheatergruppen Europas zählt. Immerhin: Spiellust und Originalität der Akteure machten den „gebremsten Start” im Laufe der Veranstaltung wieder wett – auch wenn die Art der Darstellung vielleicht nicht jedermanns Sache gewesen sein mag.

Das Schauspielrezept des „Nieuw Symbolistisch Theater” ist ebenso einfach wie spektakulär: Auf der farbenprächtigen, ganz auf „Antike” getrimmten Bühne tummeln sich bizarr kostümierte Gestalten. Die Gesichter sind hinter großen, lustig-abstoßenden Masken verborgen, das Ganze gleicht einer Mischung aus Jahrmarkt, Tanztheater, Pantomime und dörflichem Possenspiel. Was an den kurzen, im Stil einer Revue dargebotenen, Szenen besticht, ist das tänzerische und akrobatische Talent der Akteure, das besonders in Verbindung mit den ausgefallenen Kostümen zur Geltung kommt. Wäre nicht die ziemlich lieb-und wahllos zusammengewürfelte Musik gewesen, die das Trommelfell des Publikums mitunter arg strapazierte — der Auftritt der Amsterdamer Schauspieltruppe in Hilden hätte eine vergnügliche Angelegenheit werden können.

Zu lachen gab es bei dem furiosen „Rummelplatzritt” durch Themen der Antike, der Klassik oder der orientalischen Sagenwelt jedenfalls genug. „Apoll und Spartacus” als Liebespaar im innigen Pas de Deux, die Verführung eines Priesters durch die schöne Scheherazade — die Darsteller zeigten kein Erbarmen, machten aus jedem Liebesmotiv ein Spektakel, das zwischen herrlichem Ulk und gezielter Geschmacklosigkeit hin- und her-schwankte. Wie schmal der Grat zwischen den beiden Extremen war, verdeutlicht die Geschichte um Scheherazade: Wenn die „anmutige Schönheit ihren Schleier lüftet und plötzlich mit Damenbart und schiefen Zähnen dasteht, ist Gelächter vorprogrammiert. Dies bleibt einem in der Enthauptungsszene (der Priester tanzt kopflos über die Bühne) allerdings wieder im Halse stecken — so realstisch nimmt sich die Kostümierung aus.

Über Geschmack läßt sich streiten, und so hielten sich Fans und Kritiker des „Nieuw Symbolistisch Theaters” Amsterdam denn auch die Waage. Interessant und originell inszeniert war der Beitrag zum „Hildener Sommer” allemal.

PETER KORN